Abgeschnitten … Verbunden

Abgeschnitten

Es ist früh am Morgen. Ich habe eine Verabredung und bin zu früh. Nach einem Spaziergang sitze ich nun auf einer Bank und habe einen wunderbaren Blick auf den Zürichsee und die schneebedeckten Berge. Wunderschön! Da müsste ich jetzt eigentlich voller Freude sein – wie ein kleines Kind – über die Wunder dieser Erde!?

Doch ein anderes Gefühl drängt aus meinem Inneren in mein Bewusstsein. Es ist Traurigkeit – diese tiefe Traurigkeit, die so viele Menschen kennen. Sie entspringt aus dem Gefühl der Sinn-losigkeit, der Einsamkeit, der Frage: „Wer bin ich?“ und „Wozu bin ich hier?“. Weiterlesen „Abgeschnitten … Verbunden“

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Dazu sind nur Menschen fähig.

Ich habe eben den Dokumentarfilm Aghet – Ein Völkermord über den Genozid an den Armeniern zwischen 1915 und 1918 im Osmanischen-Türkischen Reich (heute Türkei) gesehen. Schätzungen sprechen von bis zu 1,5 Millionen Menschen, die ums Leben kamen. Nur um eine Vorstellung von dieser Zahl zu geben: das entspricht einem Viertel der Opfer des Holocaust.

Die Grausamkeiten, die stattfanden sind schier unvorstellbar. Mir fehlen die Worte.

Dieser Genozid vor 95 Jahren wurde viele Jahrzehnte auch in der westlichen Welt totgeschwiegen. Erst seit 10 bis 20 Jahren erkennen Kanada und einige europäische Staten den Völkermord offiziell an. „In der Schweiz hat der Nationalrat den Massenmord an den Armeniern als Genozid anerkannt, nicht jedoch der Bundesrat.“ so die Basler Zeitung vom 05.03.2010

Weitere Informationen:

Wikipedia

Arbeitsgruppe Anerkennung – gegen Genozid, für Völkerverständigung e.V. (AGA)

Mit geht es hier gewiss nicht um Anklage und Verurteilung, denn das bringt uns auf dem Weg der Völkerverständigung nicht weiter. Ich wünsche mit Versöhnung, die Heilung der immer noch schwärenden Wunden. Was es dafür braucht, sind Wahrheit,  Bekenntnis, die Übernahme von Verantwortungen und … vor allen Dingen wahrhaftiges, tiefes Mitgefühl – von uns allen!  Das sollte sich beziehen auf diesen und auf alle Genozide, wie beispielsweise den noch nicht lange zurückliegenden in Ruanda. Denn jeder von uns ist ein Teil es grossen Ganzen und wir können als bewusste Teile des Ganzen dazu beitragen, dass wir eine Zukunft kreieren, die frei ist von derartiger (Selbst-)Zerstörung.

Was sollen nur die Nachbarn denken!

Mal wieder sind es meine Kinder, die mich zum Nachdenken oder, besser gesagt, zum Nachfühlen bringen über die gesellschaftlichen Programme, die ich verinnerlicht habe. In letzter Zeit ist es öfter vorgekommen, dass meine Kinder zu Hause im Streit geschrien und manchmal auch recht unflätige Worte von sich gegeben haben. Ich bin dann jedes Mal zusammengezuckt und hatte Angst, was die Nachbarn wohl denken mögen. Ausgerechnet ich, die ich Menschen nahe bringen will, mehr Emotionalität zu erlauben! Augerechnet ich fühle mich in letzter Zeit immer öfter dem „Was-sollen-die-Nachbarn-denken-Programm“ ausgeliefert.

„Ausgeliefert“ und „verinnerlicht“ – ja, das sind tatsächlich die richtigen Ausdrücke. Die Programme sind tief in meinem Inneren gespeichert, tief in der Zellstruktur, und ich fühle mich dem wirklich ausgeliefert. Ganz automatisch, zwangs-läufig, lege ich eine von zwei Verhaltensweisen an den Tag: entweder rege ich mich auf und werde am Ende selbst noch laut oder ich schrumpfe innerlich, und bettle fast darum, dass sie doch bitte, bitte etwas leiser sein mögen. Mir ist natürlich bewusst, dass die eine Reaktion ebenso wenig dienlich ist wie die andere. Nun ja, an der Stelle will ich mir zugute halten: immerhin ist es mir bewusst! Doch wie komme ich nun, von der Bewusstheit darüber, zu einem anderen Umgang mit dieser emotionalen Herausforderung und noch mehr zu einem anderen Umgang mit meinen Kindern? Weiterlesen „Was sollen nur die Nachbarn denken!“

Schattenseiten – Diese Wunden heilen nie?

Seit einigen Wochen beschäftigt mich das Thema Urteil und Wertung – sei es in Texten die ich lese oder in solchen die ich selbst schreibe. In Filmen, die ich sehe, selbst in einer Lesung, die ich in der letzten Woche besucht habe. Urteile, Bewertungen, Schuldzuweisungen, Schuldgefühle … immer wieder komme ich darauf, wie stark das polarisiert und trennt – Streit, Kriege, Konflikte, Terrorismus oder auch Ohnmacht und Opferhaltung verursacht.

Nicht erst seit dem Missbrauchs-Skandal in der Kirche beschäftigt mich das Thema Missbrauch immer wieder.  Auf den Zusammenhang des Einen mit dem Anderen werde ich zurückkommen, doch zunächst will ich auf das Thema Urteil und Bewertung – auch auf sich selbst bezogen – eingehen. Weiterlesen „Schattenseiten – Diese Wunden heilen nie?“

Auferstehung

Ostern. Menschen haben Feiertage. Menschen haben Religionen. Christen beten einen an, den sie vor zweitausend Jahren ans Kreuz genagelt haben – sagt man. Sie beten das Kreuz an, an dem er hängt, leidend, schmerzvoll, gemartert. Warum beten sie dieses Leiden an? Er sei für sie gestorben, sagen sie. Doch hat er nicht auch soviel Weisheit verkündet? Hat er nicht Menschen empfangen, Kinder, Kranke, von der Gesellschaft Verachtete, alle … ohne Urteil, ohne Arroganz? Warum beten sie nicht diesen an? Den mit den ausgebreiteten Armen

Das Kreuz, der Balken an dem sie seit zweitausend Jahren das Leiden Christi manifestiert haben, schneidet mitten durchs Herz. Der Balken trennt Unterleib und Kopf, trennt Fühlen und Denken. Überall stellen und hängen sie die Kreuze auf, um sich an das Leiden zu erinnern. Sie sprechen von Schuld und Sünde. Sie verurteilen – auch sich selbst. Sie vergessen darüber oft, dass das Leben zum Leben gedacht ist. Vielleicht können sie nicht anders, weil der Balken mitten durch ihr Herz geht. Auch dieser Balken trennt.

Menschen gehen oft so gebeugt, ihre Schultern sind so verspannt. Ihr Rücken ist oft gekrümmt. Kommt das, weil sie ihr Kreuz tragen? Sie sagen auch „Kreuzschmerzen“. Selbst ihre Lieder sind voller Leiden und Schmerz. Manche glauben an das Leben nach dem Tod. Und was ist mit dem Leben vor dem Tod?

Morgen ist Ostersonntag. Der Tag der Auferstehung des Herrn. Wird er, ihr Christus endlich, wahrhaftig, auferstehen? In den Menschen selbst? Ist es das, worauf sie schon so lange warten? Werden die Nägel des Leidens in diesem Balken sich auflösen? Wird er vom Kreuz steigen, die Dornenkrone abnehmen, das Blut wegwischen und lachend, voller Freude, die Arme ausbreiten und das Leben begrüssen?

Auferstehung! Endlich! Werden Menschen bemerken, dass sie das Kreuz nicht mehr zu tragen brauchen? Werden sie ihre Wahlfreiheit nutzen – für ihre Auferstehung im und zum Leben?

Sie brauchen doch nicht einmal etwas zu tun! Nur erlauben! Die Arme ausbreiten und das Leben selbst begrüssen! Es wäre eine Wohltat für alle auf diesem Planeten. Dann ist das Paradies auf Erden.