Zeitbomben

Gestern war ich in einem Kaufhaus, als plötzlich ein Kind anfing zu schreien wie am Spiess. Es ging mit so durch Mark und Bein, dass ich dem Schreien folgte. Da stand eine Mutter mit einem kleinen Kind in einem Buggy und einem weiteren etwa fünfjährigen Mädchen in einem weiteren Buggy. Das Mädchen war angeschnallt im Buggy, bäumte sich auf und schrie verzweifelt. Sie wollte raus aus diesem Festgehaltenwerden und ich spürte ihre Verzweiflung und ihre Ohnmacht so sehr, dass es mir schier das Herz zerriss. Die Tränen liefen über ihr gerötetes Gesicht und sie brüllte als werde sie gefoltert. Nun, gefesselt zu sein ist ja auch eine Art Folter.

Ich spürte auch die Mutter. Auch sie war verzweifelt, wusste nicht, was sie tun sollte. Sie schrie auch – aber nur innerlich. Äusserlich war sie ganz cool. Es war ihr unangenehm, weil viele Leute schauten und stehenblieben. Die Leute straften sie mit Blicken für ihr „Versagen“ als Mutter, dass sie ihr Kind nicht im „Griff“ habe. Es fielen Sätze wie: „Das reicht aber jetzt!“, „Das hätte es früher nicht gegeben!“, „Unmöglich so was!“. Von all ihren Gefühlen zeigt die Mutter im Gegensatz zu ihrer Tochter nichts. Sie versteckte alles hinter einer unbeweglichen Maske, war wie erstarrt. Weiterlesen „Zeitbomben“

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Die Weisheit der Kinder – 2

Gestern habe ich über die Eskalation der Ölkatastrophen geschrieben. Wie wir Menschen damit umgehen, mutet teils diletantisch, teils einfach ignorant an. Wir brauchen dringen Lösungen! Lösungen, die die Zerstörung unseres Planeten stoppen. Lösungen, die nachhaltig und gesund sind. Ich habe gestern auch einen Text von Renate Schönleber zitiert, der mich sehr bewegt hat und das auch immer noch tut. Er wirkte nach und erinnerte mich an das Grimm-Märchen „Der süsse Brei“. Und damit war ich wieder bei einem Thema, das mich auch sehr bewegt: Die Weisheit der Kinder, über die ich bereits geschrieben habe: https://philali.wordpress.com/2010/07/20/was-tun-menschen-blos/ Vielleicht sollten wir unsere Kinder nach Lösungen fragen?!

Es war einmal ein armes, frommes Mädchen, das lebte mit seiner Mutter allein, und sie hatten nichts mehr zu essen. Weiterlesen „Die Weisheit der Kinder – 2“

Was tun Menschen blos?

Schon wieder eine Ölpest, diesmal in China. Der Tagesanzeiger spricht von der «möglicherweise grössten Öl-Katastrophe in der Geschichte Chinas». Im Golf von Mexiko scheint es schon wieder ein neues Leck zu geben und BP riskiert die nächste Tiefenbohrung vor der libyschen Küste, wie in der Zeit zu lesen ist. Der wahnsinnige Run geht weiter. Die FAZ berichtet, dass China immer aggressiver nach Öl und Gas sucht und die TAZ schreibt über das Gerangel nach Profit ohne Rücksicht auf Verluste, das auch in Afrika im Gange ist. Derweil gibt es jede Menge vergessene Öl-Lecks, die munter vor sich hinsprudeln. Der Spiegel berichtet: „Um die Folgen dieser chronischen Umweltvergiftung zu besichtigen, müsse man nicht erst nach Westafrika in das berühmt-berüchtigte Nigerdelta fahren, wo auslaufendes Öl seit Jahrzehnten das einst fruchtbare Land zerstört. Im kanadischen Alberta, wo sämtliche Big Player der Ölindustrie aktiv sind, sind durch den Abbau der Ölsande riesige Giftseen und tote Flächen entstanden. In Westsibirien laufen jährlich laut Schätzungen von Umweltorganisationen mehr als 600.000 Barrel Öl aus dem maroden Pipeline-Netz aus,..“

Die Leidtragenden sind die Erde, die an allen Ecken ausgebeutet wird, das Meer und seine Bewohner, die Menschen, die in den verseuchten Gebieten leben und letzten Endes wir alle, denn Alles hängt mit Allem zusammen – energetisch und auch ganz materiell. Wer hätte noch nie von der Nahrungskette gehört? Wer wüsste nicht, dass das Sterben der Ozeane unabsehbare Folgen hat? Wer habe nichts gehört von den Flüchtlingsströmen der Menschen aus Afrika oder Südamerika, die ihre Heimat verlassen müssen, unter Anderem weil aus ihren vom Öl verseuchten Lebensräume Todeszonen wurden.

„Zeitalter des Erdöls muss enden.“, appelliert Greenpeace im Zusammenhang mit dem Unglück in China. Welches neue Zeitalter soll denn dann anbrechen? Weiterlesen „Was tun Menschen blos?“

Fussball-Fans oder: Die Sehnsucht nach dem WIR und nach dem Leben

Ich sitze in einem Konstanzer Eiscafé auf der Markstätte, die ich als energetische Hauptschlagader dieser Stadt empfinde. Hier fliesst, nach meinem Empfinden, dieser Storm der kraftvollen männlichen Energie des Tuns, des Schaffens, des Krieges und der Wirtschaft bis hinunter zur Imperia. Heute strömt ein besonderer Fluss durch diese Ader. Ich höre Tröten, Gesang, Gegröle, ab und zu auch klirrende Scherben einer Flasche. Ich sehe Menschen, die in schwarz-rot-goldene Fahnen gekleidet sind und sich ebensolche Farben ins Gesicht gemalt haben. Ich sehe seltsame Kopfbedeckungen, die diese Menschen im „wirklichen Leben“ niemals tragen würden. Menschen begegnen sich, erkennen einander als Fans, reissen die Arme hoch und freuen sich gemeinsam. Wildfremde Menschen fallen einander in die Arme.

Fussball heisst der Gott, der diese Menschen heute antreibt – Deutschland hat in dem Viertelfinale der Weltmeisterschaft 4:0 gewonnen. Nun könnte ich mich angesichts solcher Szenen kritisch äussern über menschliche Merkwürdigkeiten und Gruppenphänomene. Doch ich ziehe es vor, über die Sehnsucht zu schreiben – über die Sehnsucht der Menschen, die ich hier hinter dem Ganzen spüre. Weiterlesen „Fussball-Fans oder: Die Sehnsucht nach dem WIR und nach dem Leben“