Roots – unser aller Wurzeln

Vor längerer Zeit hatte ich über den Genozid in Armenien geschrieben. Nun bin ich auf einen Genozid gestossen, der vor einem Jahrhundert unter der Regentschaft Leopold II von Belgien, 10 Millionen Menschen, die Hälfte der Bevölkerung des Kongo ausgerottet hat. Das Thema Afrika beschäftigt mich nicht zum ersten Mal, doch seit einigen Wochen sehr intensiv. Ich habe in diesem Blog schon einige Mal über das geschrieben, was heute in Afrika geschieht. Nun geht es um ein dunkles Kapitel der Geschichte, das mir bis vor einigen Tagen unbekannt war und so geht es vermutlich Vielen.

Der Horror regierte im Kongo mit der Nilpferd-Peitsche, dem massenhafte Abhacken von Händen, Niederbrennen von Dörfern, Geiselnahmen und Massenvergewaltigungen – die Traumatisierung eines ganzen Landes. Bei all dem ging es wie immer um nichts anderes als Profit – zunächst Elfenbein, dann Kautschuk. Der Kongo wurde zu einem einzigen gigantischen Arbeitslager, der dem König einen persönlichen Gewinn von schätzungsweise 700 Millionen Pfund (1.1 Mrd. Dollar) einbrachte. Weiterlesen „Roots – unser aller Wurzeln“

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Dazu sind nur Menschen fähig.

Ich habe eben den Dokumentarfilm Aghet – Ein Völkermord über den Genozid an den Armeniern zwischen 1915 und 1918 im Osmanischen-Türkischen Reich (heute Türkei) gesehen. Schätzungen sprechen von bis zu 1,5 Millionen Menschen, die ums Leben kamen. Nur um eine Vorstellung von dieser Zahl zu geben: das entspricht einem Viertel der Opfer des Holocaust.

Die Grausamkeiten, die stattfanden sind schier unvorstellbar. Mir fehlen die Worte.

Dieser Genozid vor 95 Jahren wurde viele Jahrzehnte auch in der westlichen Welt totgeschwiegen. Erst seit 10 bis 20 Jahren erkennen Kanada und einige europäische Staten den Völkermord offiziell an. „In der Schweiz hat der Nationalrat den Massenmord an den Armeniern als Genozid anerkannt, nicht jedoch der Bundesrat.“ so die Basler Zeitung vom 05.03.2010

Weitere Informationen:

Wikipedia

Arbeitsgruppe Anerkennung – gegen Genozid, für Völkerverständigung e.V. (AGA)

Mit geht es hier gewiss nicht um Anklage und Verurteilung, denn das bringt uns auf dem Weg der Völkerverständigung nicht weiter. Ich wünsche mit Versöhnung, die Heilung der immer noch schwärenden Wunden. Was es dafür braucht, sind Wahrheit,  Bekenntnis, die Übernahme von Verantwortungen und … vor allen Dingen wahrhaftiges, tiefes Mitgefühl – von uns allen!  Das sollte sich beziehen auf diesen und auf alle Genozide, wie beispielsweise den noch nicht lange zurückliegenden in Ruanda. Denn jeder von uns ist ein Teil es grossen Ganzen und wir können als bewusste Teile des Ganzen dazu beitragen, dass wir eine Zukunft kreieren, die frei ist von derartiger (Selbst-)Zerstörung.